Dauer-Ausnahmezustand!? Der Griff nach dem Strohhalm.

Pressemitteilung

15. September 2021


Seit Jahren steigen die Einsatzzahlen im Bereich der Notfallrettung der Berliner Feuerwehr. In den letzten 10
Jahren haben sich diese nahezu verdoppelt. Nach einer Corona-bedingten kurzen Atempause, resultierend aus
dem Zurückfahren des öffentlichen Lebens in der Stadt, steigen diese nun wieder auf das Vor-Corona-Niveau
an. Da das Personal dafür nicht ausreicht und sich die Eintreffzeiten der Rettungswagen (RTW) dadurch immer
mehr verlängern wird, fast täglich, der Ausnahmezustand Rettungsdienst (AZ RD) ausgerufen. Um die erhöhte
Nachfrage nach RTW’s kurzfristig zu kompensieren, werden im AZ RD dann zusätzliche Rettungswagen, besetzt
mit dem Personal der Löschfahrzeuge, in Dienst genommen. Dieses Personal fehlt dann natürlich (temporär
und trotzdem gefährlich!) in der Brandbekämpfung.


Diesen Zustand möchte man, so hört man von gut unterrichteten Kreisen in der Feuerwehr, nun zum
Standard werden lassen.
Man greift in der Verzweiflung wohl nach dem letzten Strohhalm und will die –
leider schon lange nicht mehr auf allen Wachen vorhandenen – zweiten Löschfahrzeuge (LHF2) auflösen, um
mit dem freiwerdenden Personal einige RTW mehr besetzen zu können! Das Ziehen an der
Personaltischdecke schließt zwar eine Lücke, reißt aber am anderen Ende des Tisches eine neue auf.


Diese in der Brandbekämpfung notwendigen LHFs fehlen dann im Falle eines Feuers. Aus anderen Bereichen
müssen dann die notwendigen Löschfahrzeuge, natürlich mit der entsprechenden Zeitverzögerung,
herangeführt werden. Dies stellt aus einsatztaktischer Sicht eine absolute Gefährdung, nicht nur der
Sicherheit der Berliner Bevölkerung, sondern auch der vor Ort tätigen Kollegen, dar!


Die Ursachen der steigenden Einsatzzahlen sind vielfältig, unter anderem schaffen es die im Rettungsdienst
der Berliner Feuerwehr eingebundenen Hilfsorganisationen nicht mehr, das erforderliche
Rettungsdienstpersonal zu stellen. Ein Hauptgrund dürfte aber die zunehmende ausschließliche Anwendung
des Abfrageprogramms der Leitstelle sein, wo viele nicht wirklich notwendige Einsätze erzeugt werden.
Mit
einer wachsenden Stadt kann man eine hundertprozentige Steigerung jedenfalls nicht erklären!


Wir sehen die kurzfristig vorgenommenen Bemühungen der Behörde jedoch als ein völlig untaugliches Mittel
an, um den täglichen Bedarf an Rettungsfahrzeugen zu decken. Man erkauft sich eine – voraussichtlich nicht
ausreichende – höhere Verfügbarkeit von Rettungswagen mit der dauerhaften Schwächung der
Brandbekämpfungskapazitäten.


Somit bleibt unsere Forderung an die Behördenleitung und den Berliner Senat, nicht nur zum Schutz der
Berliner Bevölkerung, sondern auch zum Schutz der eigenen Kollegen:

  • Mehr Personal! Welches schnell verfügbar ist und auch bleibt!
  • Einsatzzahlen runterfahren durch Verantwortungsrückgabe an die Leitstelle. Menschen entscheiden
    besser als ein Computerprogramm!
    Konzepte dafür liegen seit über 3 Jahren vor, zu finden unter berlinbrennt.info
  • Rücknahme der offensichtlich beschlossenen Maßnahmen zu den LHF2!

BerlinBrennt e.V.

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