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Wenn der Rettungswagen 20 Minuten braucht – zur aktuellen Lage bei der Berliner Feuerwehr

 

Pressemitteilung vom 3.11.20

Wegen Corona in den Hintergrund getreten und deshalb von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, kämpft die Berliner Feuerwehr weiterhin mit steigenden Einsatzzahlen und einem extremen  Personalmangel. Deutlichstes Zeichen dafür ist die häufige Verhängung des sogenannten „Ausnahmezustand Rettungsdienst„, die inzwischen fast täglich, teilweise sogar mehrmals am Tag, nötig wird! Allein im September und Oktober kam es an 18 Tagen, teilweise mehrfach, dazu! Wir sind also wieder (bzw. eigentlich immer noch!) dort wo wir vor knapp 3 Jahren schon waren!

Ausgerufen wird dieser sogenannte „Ausnahmezustand“, den viele Kollegen inzwischen ironisch Normalzustand nennen, immer dann, wenn die Anzahl der freien Rettungsmittel sich dem Ende zuneigt und ein Eintreffen innerhalb der vorgegebenen Schutzziele damit nicht mehr möglich ist.
Die Folge des Ausrufens des AZ ist jeweils die Indienstnahme einiger weniger zusätzlicher Rettungswagen durch Besatzungen von Löschfahrzeugen, die dann natürlich nicht mehr für Brände, Verkehrsunfälle und andere Einsätze bereitstehen!
Allein gestern, am 2. November, dauerte der Ausnahmezustand ungefähr 10 Stunden an, bevor man zum Normalbetrieb zurückkehren konnte! Und das alles wohlgemerkt ohne äußere Einflüsse oder höhere Gewalt, wie zum Beispiel eine Extremwetterlage, wofür ein Ausnahmezustand eigentlich vorgesehen ist!

Wir, der BerlinBrennt e.V., haben es nach dem Löschen der Feuertonne vor dem Roten Rathaus und dem Ende der Mahnwache im März 2018 gesagt: die beschlossenen Maßnahmen reichen nicht aus, sie sind nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein!
Wir haben in den letzten zwei Jahren immer wieder darauf hingewiesen, dass die Berliner Feuerwehr als Arbeitgeber attraktiver werden muss, damit uns nicht die Kollegen weglaufen und damit wir neue Kollegen schneller rekrutieren können.

Bei einer räumlich sowie personell völlig überlasteten Feuerwehrschule ist es absolut illusorisch zu glauben, dass wir in vertretbarer Zeit
ausreichend Kollegen auf die Straße bekommen. Außerdem ist diese „vertretbare Zeit“ nach zwei Jahren wohl abgelaufen! Oder wie lange will man noch mit der Sicherheit der Bürger spielen?

Was wir genauso lange anprangern ist die skandalös hohe Zahl von Fehlalarmierungen, die aus dem verwendeten Abfrageprotokoll in der Leitstelle resultiert. Dieses muss sofort abgeschafft werden, damit die mangelnden Ressourcen zielgerichtet für echte Notfälle eingesetzt werden können!

Wir fordern hiermit dringend die Verantwortlichen des Senats und die Führung der Berliner Feuerwehr auf, alternative Lösungen in Betracht zu ziehen und umzusetzen, wie wir sie vor über zwei Jahren vorgelegt haben:
– Abschaltung des standardisierten Notrufabfrageprotokolls
– deutliche Erhöhung der Feuerwehrzulage
– Einführung eines transparenten und gerechten Beförderungssystems im Sinne einer Regelbeförderung
– In der Folge einen Dienstplan, den die Kollegen auch akzeptieren können!

Wir stehen für Gespräche jederzeit zur Verfügung, damit wir diesen gefährlichen, der Bundeshauptstadt unwürdigen und die Kollegen ausbrennen lassenden Zustand schnellstmöglich beenden können. So geht es nicht weiter!

BerlinBrennt e.V.

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